1967 – „The Lords“ in der Stadthalle Lüdenscheid

lordskarteDie fünf Jungs auf der Bühne hatten schulterlange, glatte Prinz-Eisenherz-Frisuren, von denen meine Großmutter sagte, sie sähen aus wie Perücken.
Natürlich waren es keine Perücken, das war mir klar, und die Haare waren auch das einzige an ihnen, dass an Prinz-Eisenherz erinnerte.
Sie standen vor dem dunkelroten Samtvorhang, trugen weiße Rüschenhemden, dunkle Westen mit Uhrketten, glänzende Schuhe und perfekt gebügelte Hosen. Und kleine, schwarze Fliegen.
Sie sahen sozusagen aus „wie aus dem Ei gepellt.“
„When I was born – you know – I couldn’t speak and go …“ begannen sie und in dem überfüllten Saal begann es zu brodeln.
Begeistert tanzten wir Mädchen direkt vor der Bühne und sangen laut mit – den „fremdsprachigen“ Text kannten wir auswendig, da wir glücklicherweise in der Schule Englischunterricht hatten.

Die Lords tanzten auch, und zwar indem sie abwechselnd mal das rechte, mal das linke Bein zur Seite warfen. Und das synchron.
„Endlich,“ hatte meine Freundin Margrete gesagt und mich grinsend durch ihre große, runde Brille angeblinzelt, „kommt auch mal eine „richtige“ Band zu uns ins Sauerland! Eine Band, die sogar zusammen mit Casey Jones & The Governors aufgetreten ist! Und die man ständig in der Hitparade von Radio Luxemburg hören kann.“
Ich hörte zwar lieber BFBS und Radio Veronika, aber Radio Luxemburg war in gewisser Weise auch okay.
Wir hatten eine Seite aus der BRAVO herausgerissen, auf der ein Foto der Lords abgebildet war. Darunter waren die Namen der einzelnen Mitglieder abgedruckt, so dass wir die Gesichter auf dem Bild mit denen auf der Bühne vergleichen und identifizieren konnten. Der mit der Elektrogitarre, so stellten wir fest, musste Klaus-Peter Lietz sein.
ZinttanzhalbDann spielten sie „Shakin`all Over,“ „Que Sera“ und „Poison Ivy“.
War es laut?
Ich glaube ja.
Ich meine, wir wussten schon, dass laute Beat-Musik, die „mit Hilfe von Verstärkern hoch getrieben“ wird, schädlich ist – für die Ohren und auch für das gesamte Nervensystem – das hörten wir ja ständig von den Erwachsenen ringsum.
Aber das war uns egal.
Wir tanzten und wir sangen.

Später durften wir dann hinter die Bühne und mit Köpfen, rot wie Tomaten, unterschriebene Autogrammkarten von Lord Bernd Zamulo entgegennehmen.
Diese Autogrammkarte habe ich immer noch (siehe Foto) …

Text und Foto der Autogrammkarte von Roswitha Geisler
Foto „Tanzen“ mit freundlicher Genehmigung von Günther Zint

Mehr über die Lords hier bei uns:
Interview mit Leo Litz
Grüße von Leo Lietz

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