1968 – Susanne und die Rolling Stones

anke-susanneSusanne S.  sandte uns den folgenden Artikel. Wir bedanken uns für den Text und das Foto!
*
Es war zu Beginn meiner Lehrzeit. Ich war 17. Die Ausbildung zur Bürokauffrau dauerte zweieinhalb Jahre.
Die Beruf-Schule war in Crivitz, einer typischen, mecklenburgischen Kleinstadt.
Der Rhythmus war 4 Wochen Schule, Theorie und Praktikum im Wechsel.
In unserer Klasse waren 22 Mädchen und ein Junge. In den Zimmern, in denen wir untergebracht waren, gab es die typischen Doppelstockbetten, eher unbequem. Aber ist man jung, ist das eher nebensächlich!
Zu der Zeit war ich schon Rolling Stones Fan…nach ihrem Hammer-Song…“Satisfaction“!!

Und ein Foto der Stones musste immer und überall an den Wänden hängen…damit die anderen es sofort wussten. Ich hatte eine tolle Brieffreundin aus Wiesbaden und so bekam ich hin und wieder Poster aus der BRAVO von meinen Idolen.
In der Schule bildeten sich sogenannte Cliquen, immer drei bis vier Mädchen, mit den gleichen Interessen. Und Abends ging es meist in unsere Stamm-Kneipe „Zur Sonne“ zum „Schwofen“.
Dort lernte ich auch meinen ersten Stones-Fan Freund Fredy kennen.
Er war 19 und fuhr einen „heissen Ofen“, eine Java. „Das fetzte“, wie wir zu sagen pflegten, wenn etwas top war.

Meine Glücksmomente waren jedes Mal die:
wenn ER mich vor der Schule mit der Java abholte und wir dann gemeinsam losbrausten…meine langen Haare im Sommerwind flatterten….das war ein tolles Lebensgefühl der Freiheit!
Natürlich traf man sich mit Freunden, Gleichgesinnten, man fuhr herum und abends ging`s dann zum Tanz.
Fredy konnte perfekt tanzen, sah obendrein gut aus, lange dunkle Haare, braune Augen,
das liebte ich und meine Freundinnen schwärmten für ihn.

Die gespielte Musik – leider zu wenig West-Rock, wie Stones, Beatles, Who etc., dafür mehr Ost-Rock, Karat, Puhdys, Renft etc..

Zu der Zeit schrieben wir uns fleißig Briefe jeglicher Art…Handys für SMS waren ja noch nicht erfunden!
Natürlich gab`s bei den Mädchen meiner Klasse immer wieder Probleme mit den Jungs und der Liebe.
Alle Episoden wurden untereinander bis ins Kleinste erzählt und dramatisiert, als gäbe es keine anderen Geschehnisse auf der Welt.
Da Fredy aus Schwerin war, sahen wir uns ziemlich oft, zu meiner Freude. Er überraschte mich eines schönen Abends mit einem Verlobungsring und einer roten Rose.
Die Rose nahm ich gerne, den Ring musste er behalten.
Keinesfalls wollte ich mich so früh an jemanden binden, wollte noch meine gewisse Freiheit genießen…
und wer wusste schon, was das Leben noch Verheißungsvolles  zu bieten hatte?
( Susanne S. )

Advertisements

3 Gedanken zu „1968 – Susanne und die Rolling Stones

  1. Sabine

    Mitte der Sechziger gab es bei uns in der Schule sozusagen zwei Gruppen: einmal die Beatles Fans und dann die Rolling Stones Fans. Die Beatles Fans waren die Braven und die Stones Fans die Aufmüpfigen mit den langen Haaren. Dann gab es noch die Mädchen, die Roy Black und Drafi Deutscher gut fanden. Ich war zuerst Beatles- und dann natürlich Stones Fan..

    Antwort
    1. Hans

      Ja, das ging ja noch weiter, entweder war man Beatles oder Stones-Fan, entweder trug man adidas- oder Puma-Turnschuhe und entweder hielt man zu Bayern München oder Borussia Mönchengladbach. Ich selbst war und bin Stones-Fan, trug Puma-Turnschuhe und hielt zu Mönchengladbach.

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s