Kino in den 60ern

ortsschildEs war schon ein Erlebnis, so ein Kinobesuch in den 60er Jahren. Riesige Leinwände mit Samtvorhängen, die nicht unbedingt bequeme “Holzklasse” und die wesentlich gemütlicheren Plüschsessel der Logenplätze kennzeichneten die Kinos. Platzanweiserinnen mit Taschenlampen, führten die Besucher zu ihren Plätzen. Dann wurde es dunkel, die roten Samtvorhänge öffneten sich. Das Programm begann mit Werbung und einen Vorausblick auf kommende Filme. Danach folgte ein Vorfilm, der von der Wochenschau gefolgt wurde. “Fox tönende Wochenschau” war ein Begriff.

Üblicherweise ging dann das Licht wieder an. Eine Eis- und Knabberzeugverkäuferin erschien mit einem Wägelchen oder einem umgehängtem “Bauchladen”, um die Zuschauer zu versorgen. Das übliche Rascheln von Papier und Kunststoff-Folie folgte. Anschließend verlöschte das Licht langsam und geheimnisvoll. Der Hauptfilm begann. Immer wieder gab es die üblichen Zwischenrufer, dann tönte es rundherum “Ruhe!”, “Klappe!”, manchmal wurde es gar obszön. Allerdings gab es auch Komiker, die mit ihren witzigen Bemerkungen das ganze Kino unterhielten. Damals gab es aber nicht nur in den Städten Kinos oder Lichtspielhäuser, sondern auch hier und da auf den Dörfern. Da herrschten manchmal seltsame Rituale. Eine nette Episode findet sich in “Allgäu Sixties”, wo eine Nachtvorstellung im Kino in Neuhaus an der Pegnitz beschrieben wird.

kinoDie Zeit der Hollywood-Monster-Schnulzen neigte sich dem Ende zu. Es folgten interessantere Filme, wie Hitcock’s “Psycho” (1960). Deutsche Filme waren zunächst von seichterer Natur, siehe das “Spukschloß vom Spessart” oder dann die Reihe der Edgar Wallace Filme. 1962 waren dann “Lawrence von Arabien”, “Lolita”, “James Bond 007 jagd Dr. No”, “Meuterei auf der Bounty” usw. zu sehen. Lawrence und die Meuterei kamen mir als Karl May Fan entgegen, denn später besuchte ich einige Länder des Nahen und Mittleren Ostens und die Südsee. !963 sah ich den Skandalfilm “Das Schweigen”, der mich nicht unbedingt beeindruckte.
kinoplakateDa gefiel mir die Ami-Komödie “Das Mädchen Irma La Douce” besser. 1964 ging es weiter mit James Bond “Goldfinger”, 1965 “Feuerball” usw. Bei letzterem faszinierte den Flugzeug-Fan der riesige Bomber Typ “Vulcan”. Dann kamen die Karl May Filme, wie “Winnetou”, gefolgt 1966 von den Italo-Western wie “Django” und ähnlichen, “Africa Addio” und der Klamauk “Herbie”. “In der Hitze der Nacht” war beeindruckend, während “Bonny und Clyde” die typische Verherrlichung des US-Gangstertums repräsentierte. Die “Reifeprüfung” brillierte vor allem durch die Songs von Simon & Garfunkel (“The sound of silence” und “Mrs. Robinson”). “Dr. Schiwago” (1967) sah ich erst 1973 in Benin City/Nigeria. Man stelle sich vor, Dr. Schiwago im Schneesturm, während ich bei 28 Gras Celsius und und über 90% Luftfeuchtigkeit schwitzte! 1968 kamen weitere Italo-Western, wie “Spiel mir das Lied vom Tod”, hinzu. Es folgten “Das Wunder der Liebe” von Oswald Kolle und der spannende Action-Krimi “Bullitt”. Ach ja, und dann noch der gruselige Polanski-Film “Rosemary’s Baby”. Die Krönung der Filmwelt der 60er Jahre war “Easy Ryder”, nicht wegen der kontroversen Handlung, sondern wegen des Songs “Born to be wild” von Steppenwolf.

(Peter Roese)

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