1964 – ..und dann war ich ein „Zodiac“ – Story einer großen Freundschaft

zodiac1Manfred Jung von den „Roaring Fourties“ sandte uns aus Köln den folgenden Artikel seiner großen Freundschaft mit Ian Edwards von den „Zodiacs“. Wir bedanken uns für den Text und die Fotos!
*
Der Winter 1964/65 war kalt, so wie alle Winter in den Sixties. Ich wuchs so langsam ins Halbstarkenalter hinein, und meine Kleidung musste öfter ´mal ergänzt werden.
So bekam ich von meiner Mutter DM 50,- in die Hand gedrückt und den Auftrag:
„Geh´ in die Stadt und kauf´ Dir einen neuen Mantel, aber komm´ja nicht mit so einem Parka zurück, sonst kannst Du was erleben!“

Ich ging also in die altbekannte Kaufhalle. Wie immer musste ich dabei an der Schall-
plattenecke vorbei, mein Blick fiel auf eine dort ausgestellte LP mit dem Namen
„Star-Club Show 7 – Ian and The Zodiacs“.
Das Cover war gut gemacht, also schaute ich näher hin. Vom Star-Club hatte ich schon gehört, die Band war mir bislang unbekannt.
Beim Betrachten der Titel fiel mir auf, dass u.a. „A Hard Day´s Night“ von den Beatles
dabei war, ein Song, der mich schon lange interessiert hatte, der aber auf der Single für
DM 5,- oder auf LP für DM 18,- zu erhalten war. Ja, so waren die Preise damals.
Die Star-Club LP sollte DM 8.- kosten. Nach kurzer Überlegung ließ ich mir die Platte
einpacken. Da waren es nur noch DM 42,- für den Wintermantel.
In der Kaufhalle bekam ich dafür nichts mehr. Also ging ich zu dem damals überall verpönten ersten Textildiscounter namens „AMW Alfons Müller Wipperfürth“ und fand dort tatsächlich für DM 40,- einen Wollmantel mit dem berühmten Pfeffer- und Salz-Muster.
Ich fand den Mantel so abartig, aber was sollte ich machen.
Mein Trost war, dass auf dem Plattencover ein Foto der Band war, auf dem Charly Flynn, der Bassist und Co-Sänger der Gruppe, genau so ein Teil trug.
Ich kam nach Hause, und meine Mutter war begeistert von dem Mantel.
Die restlichen DM 2,- durfte ich behalten, die LP verschwand schnellstens in meinem
Zimmer. Der Mantel verschwand Jahre später in einer von mir gebauten Lautsprecherbox
und wurde bei einem Umzug dann entsorgt. Schade, denn………

zodiac2 Viele Jahre später kam ich mit meiner Band „The Roaring Fourties“ wieder einmal nach
Liverpool, wo wir das Vorprogramm für die so genannte „Star-Club-Connection“ spielten.
Wir wussten darüber nicht viel, aber plötzlich wurde ich von einem ergrauten Hünen aus der Umkleide gezogen und stand plötzlich unter einer Reihe von Musikern, die sich dann vorstellten als: Lee Curtis, King Size Taylor, The Undertakers, The Mojos, The Bootles.
Ich wusste nicht, in welchem Film ich gelandet war, von all´diesen Typen hatte ich doch
Platten im Schrank! Nach ein paar Drinks mit uns gingen diese Jungs dann nacheinander
auf die Bühne und brannten ihr Sixties- Feuerwerk ab.
zodiac3 Ich war zwischenzeitlich am Tresen des „Cavern“, um mit Alex, dem Stage-Manager zu plaudern. Mich traf fast der Schlag, als unser Gitarrist Jochen dazwischenplatzte und sagte: „Drüben an der Bar ist Ian mit seiner Frau und möchte Dich kennenlernen.“
Dass es Ian Edwards von den Zodiacs war, hatte ich zuerst überhaupt nicht realisiert.
Da stand ich nun und musste sofort an meinen Mantel denken – der helle Wahnsinn.
Ich kam mit Ian und seiner Frau ins Gespräch, und wir bemerkten, dass wir es ganz gut
miteinander können. Ian hatte uns zwar nicht gehört – er kam zu spät – fand uns aber
ganz sympathisch. Ich erwähnte dann, dass wir in zwei Wochen ein Konzert am Flug-
hafen Köln/Bonn geben würden, um die Direktfluglinie von Easyjet von Liverpool nach
Köln zu eröffnen, und dass auch Liverpooler Musiker dafür geplant seien.
Wer vorgesehen war, konnte ich ihm nicht sagen. Plötzlich hörte ich, traute zuerst meinen
Ohren nicht: „Let´s do it together, your band and I – on the same level. “
Ich schlug sofort ein und erzählte, dass ein großer Teil unseres Repertoires Songs von
„Ian and The Zodiacs“ sind und von seiner ersten, der „Mantel-LP“ stammen würden.
Seine Frage nach Probemöglichkeit musste ich leider verneinen, denn wir mussten am
nächsten Tag wieder zurück nach Köln. Ich versicherte ihm jedoch, dass wir seine Songs
originalgetreu von seiner Platte spielen würden und er nur dazu singen bräuchte.
zodiac4Ian ließ sich auf das Abenteuer ein und kam zwei Wochen später mit dem Easy-Flyer No.1 in Begleitung des Liverpooler Oberbürgermeisters, des Easyjet-Chefs und vieler Prominenter aus Liverpool nach Köln, wo schon der Kölner OB, die Bonner Ober-
bürgermeisterin, Flughafenchef, IHK-Präsident usw. auf die Delegation wartete.
Wir hatten bereits ein kleines Vorprogramm gespielt, währenddessen die Maschine
landete und die Liverpooler sich bei uns einfanden.
Ian stellte kurz sein Gepäck ab, trat zu seinem von uns vorbereiteten Pult, es ging los!
„It ain´t nessecarily so“ von George Gershwin war unser erster gemeinsamer Titel,
der im Publikum Begeisterung hervorrief, denn kaum jemand hatte damit gerechnet,
dass dieses Experiment so gut gelingen würde.
Wir planten noch am selben Abend weitere Auftritte in Liverpool und in Deutschland.
Auf die Frage, wie wir uns den nennen sollten, gab es nur eine Antwort von Ian:
„Ian and The Zodiacs – what else!“
So tourten wir danach unter diesem berühmten Namen mehr als drei Jahre durch die Lande, gaben Konzerte in Hamburg, Weimar, Schwedt/Oder, Köln, Liverpool…….
Zwischen Ian, seiner Frau Betty und uns entstand eine Freundschaft, die auch nach
seinem plötzlichen Tod im Jahre 2007 bis heute Bestand hat.
Unsere Band trägt daher den Namenszusatz „Ian´s Zodiacs“ und ist bei vielen Star-Club-Events eine gern gesehene Truppe.

P.S.
Bei einem unserer Liverpool-Gigs traf ich dann auch Charly Flynn, aber er hatte
seinen Mantel auch nicht mehr!
http://www.roaringfourties.de/
(Text und Fotos: Manfred Jung)

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