1965 – Play with Fire – Rolling Stones

MuschelswhalbText und Foto von Roswitha Geisler

Im Jahre 1965 wusste ich noch nicht, was ein Frontmann ist. Aber dass ich auf das Höchste beeindruckt war von diesem bleichgesichtigen jungen Mann aus der Kleinstadt Dartmoor, der Mick Jagger hieß und als Sänger der Rolling Stones fungierte, das war keine Frage.
Ja, er war anders. Anders als Paul Mc Cartney zum Beispiel oder als David Crosby von den Byrds. Auf manchen Fotos trug er einen existentialistischen Rolli, dazu glänzende Chelsea-Boots und enge, schwarze Hosen, ein anderes Mal stand er im adretten Pepita-Jackett auf der Bühne.

StonesUnbeirrbar erschien er mir, kühl, souverän. Ich sah die in die Augen fallenden Locken, den breiten, beweglichen Mund und für mich war völlig klar: „Love me do“ konnte man ab jetzt vergessen. Und wer das nicht kapierte, dachte ich mir, würde rückwärts wieder in den Fünfziger Jahren landen.

„Come on“ sang er und „Tell me“, „Heart of Stone“, „Long, Long While“ und vor allen Dingen „Play with fire“. Und dies nur auf der Rückseite, der sogenannten B-Seite der Single „The last Time“, die in einer regenbogenfarbenen Papierhülle daherkam und die ich bis heute besitze.
stones2Ich war vollkommen paralysiert, denn hier in diesem Song herrschte ein ganz anderer Klang als der bisher gewohnte.
Es war eine Art Melancholie, aber eine von der anderen Sorte. Eine, die nicht nur Sehnsucht nach irgendwas, nach irgendwem oder irgendwohin bedeutete, sondern gleichzeitig auch eine halbseidene, spannungsreiche Männlichkeit in sich trug, von der man wusste, dass sie nie leiden, sondern immer siegen würde.
Dieses war einerseits für mich etwas Unwiderstehliches, andererseits war es aber auch etwas fürchterlich Unausstehliches, so dass mir nie so richtig klar wurde, wohin mit Herrn Jagger in meiner Mädchenschwarm-Rangliste.
stones3Genial instrumentiert ist dieses kurze, nur wenig mehr als zwei Minuten dauernde Stück, nur mit akustischen Gitarren, einem wie verlorenen klingenden Tamburin und einer Art Spinett (oder was immer das ist).
Aufbruch, Energie, aber auch ein klein wenig Resignation und Verlust stecken da drin in diesem Song und genau das war es auch, warum ich mich damals besser fühlte.
Seit die Rolling Stones mit ihren Wörtern und Rhythmen, Gedanken, Gitarren, Trommelschlägen, Seufzern und ihrer Aufsässigkeit gekommen waren, musste ich nicht mehr darauf warten, dass mir irgendjemand ein Signal gab und sagte, was ich tun soll.
Mir war klar, dass es an mir lag, einfach einen Schritt nach vorne zu machen und zu handeln.
Das Leben konnte beginnen.

Text und Foto von Roswitha Geisler

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2 Gedanken zu „1965 – Play with Fire – Rolling Stones

  1. Wolfgang Hullmann (The Startracks Oldenburg)

    Hallo Rosie, wenn ich das lese, geht mir das Herz weit auf. Es weckt Erinnerungen an meine Anfänge auf der Gitarre. Songs wie „The Last Time“ und „Play With Fire“ waren dabei eine ganz bedeutsame Motivation. Toll, wie Du Deine Emotionen beschreibst. Es ist eine Freude, einen weiteren Kontakt mit jemandem Gleichgesinnten gefunden zu haben und ich hoffe, daß Dir auch die noch anstehenden Fortsetzungen meiner „Band-Story“ gefallen. Viele Grüße aus dem hohen Norden: Wolfgang und alle „Startracks“.

    Antwort
    1. wholelottarosie Autor

      Hallo Wolfgang, ja, manche Songs vergisst man nie. „Play With Fire“ kann ich immer noch auswendig, jedes Wort. Und schon die ersten Töne dieses Liedes setzen sogleich das Kopfkino in Gang.
      LG von Rosie

      Antwort

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