1960 – Ich war mit ELVIS jung…

schidamusikboxAus Wien, Österreich sandte uns Helmut Schida den folgenden Artikel mitsamt den Fotos. Wir bedanken uns !
*
Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre war ich eben 17 Jahre alt geworden und hatte seit einiger Zeit ein damals „verbotenes“ Idol: Elvis Presley! Der „King of Rock“ hatte es mir und vielen mit mir und noch jahrzehntelang nachher angetan.
Der Mann – grade mal 8 Jahre älter als ich – hatte in kurzer Zeit die Musik- und Plattenwelt gehörig aufgemischt und schickte sich an, mit Hollywood ebenso zu verfahren. Aber die USA waren damals viel weiter von Europa entfernt als heute, und das nicht nur wegen der Kontinentaldrift.

Es gab einen einzigen Radiosender, der nachts Elvis-Songs über den Äther verbreitete, aber den konnte man nicht so einfach empfangen.
Ich hatte mir mit einem Freund einen Detektor gebastelt, der metallene Drahteinsatz meines Klappbettes diente als Antenne und ein paar Wehrmachtskopfhörer – ein streng gehüteter Schatz meines Vaters – wandelten die von weither kommenden Schwingungen in halbwegs passable Klänge mit viel Nebengeräuschen um.
schidamemphisDie Elterngeneration hatte damals für diese „Negermusik“ überhaupt kein Verständnis, und die Platten der ersten Rock-Sänger wurden öffentlich und vor laufender Kamera vernichtet und zertrampelt. Videos davon gibt es noch heute (siehe Youtube! ).
Wir Jugendlichen versuchten indes krampfhaft zumindest in kleinen Details, unser Idol, unseren fernen Musikgott in einer anderen Welt zu kopieren.
Frisuren, Koteletten, Socken und Schuhwerk wurden mit stümperhaften Mitteln auf „Elvis“ getrimmt.
Und dann erst die Schallplatten!
Davon hat heute kaum einer mehr eine Ahnung: Kleine, schwarze Dinger, auf jeder Seite der Scheibe nur ein Song, und der Plattenteller drehte sich mit 45 UpM (Umdrehungen pro Minute)!
Erst später kamen auf jede Seite 2 Lieder drauf und auch Stereoklang war möglich – aber alles sehr primitiv im Vergleich zu heute.
Und wir legten uns mit unserem kärglichen Taschengeld, sofern wir überhaupt eines bekamen, eine kleine Plattensammlung an.
Der Erwerb eines kleinen mobilen Plattenspielers mit Batteriebetrieb glich einer Großinvestition. Wer so einen hatte, war in jeder Gruppe der King und konnte ungeheuren Eindruck bei den Mädchen schinden.
Erst später kamen dann die 33er-Platten auf den Markt (Langspielplatten, die man mit 33 UpM abspielen konnte und die oft mehr als 20 Songs drauf hatten). Auf eine solche mußte ich oft monatelang sparen, aber ich habe all diese Platten heute noch und ich habe noch jahrzehntelang weiter gesammelt.

schidagraceland1977 starb Elvis dann viel zu früh – an was auch immer. Ich besuchte Las Vegas mehrmals, heiratete sogar in der Chapel, in der auch er seiner Priscilla vorübergehend sein Ja-Wort gegeben hatte, streifte durch Graceland in Memphis und gedachte seiner am Grab im Meditationsgarten.
Und heute lasse ich euch mit ein paar Fotos der ganz frühen Elvis-Tonträger in eine Vergangenheit blicken, die man einfach erlebt haben muß, um darüber authentisch reden zu können.

Text: Helmut Schida
Foto 1: eine von Helmut Schida fotografierte Musicbox in den USA
Foto 2: Beale Street, von Helmut Schida Ende 60er in Memphis TENN fotografiert
Foto 3: ein Foto von Graceland, die Auffahrt, fotografiert von Helmut Schida
www.schida.at

Advertisements

Ein Gedanke zu „1960 – Ich war mit ELVIS jung…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s