1969 – Mein Karmann Ghia

karmannText von Peter M. Roese
Foto von Rainy Roese, Golden Oldies Wettenberg / Karmann Ghia
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Zu meinem ersten und einzigen Karmann Ghia Cabriolet kam ich 1969. Zwei Freunde und ich hatten damals eine Tankstelle mit Werkstatt und Autoverleih in Kaufbeuren gepachtet. Da war es kein Problem den billig erworbenen Karmann, der eine Rostlaube war, wieder aufzumöbeln.
Als ich das Cabriolet dann auch noch in Lamborghini-Gelb lackierte, war es ein echter Hingucker.
Auch der Innenraum konnte sich sehen lassen: Die Auskleidung bestand zwar nicht aus edlem Leder, sondern aus Hasenfell, was auch toll aussah! Die Felle stammten von einem Verwandten, der vor dem Krieg Förster im Taunus war.

Die Freude über den schmucken Flitzer mit sagenhaften 40 PS währte jedoch nicht lange, denn der Motor gab aus unerfindlichen Gründen plötzlich seinen Geist auf.
Ich fuhr zu einem Schrotthändler ins benachbarte Marktoberdorf, um einen gebrauchten Motor als Ersatz zu besorgen. Der wurde eingebaut, aber nach ein paar Tagen war er ebenfalls im Eimer.
Eine genaue Untersuchung brachte des Rätsels Lösung: Die Lager waren ausgeschlagen, der clevere Schrotthändler hatte den Motor mit Schmierfett gefüllt, um das verräterische Klappern zu vertuschen. Solche und ähnliche Manipulationen wurden damals gerne auch mit Sägespänen und Bananenschalen an Motoren und Getrieben vorgenommen.
Wir rückten dem Betrüger auf den Pelz und ich erhielt umsonst den nächsten gebrauchten Motor. Dieser hatte sagenhafte 44 PS! Um ganz sicher zu gehen, diesmal nicht wieder Pech zu haben, ließen wir den Motor, mit mehreren Thermometern versehen, eine ganze Weile im Stand laufen. Und siehe da, er was wieder überhitzt! Die Ursache war schnell gefunden. Der luftgekühlte Motor hatte hinten ein Kühlgebläse, das eine lose Isoliermatte ansaugte. So wurde dem Motor im wahrsten Sinne des Wortes die Luft abgewürgt und somit die Kühlung blockiert!
Die ganze Story und weitere automobile Besonderheiten stehen übrigens in meinem Roman “Allgäu Sixties”.

Text: Peter M. Roese
Foto: Karmann Ghia (Rainy Roese, Golden Oldies Wettenberg)

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