Interview mit Leo Lietz von „The Lords“

thelorsleoAlles begann Anfang der 60er Jahre in Berlin, als Ulli Günther weitere fünf begeisterte Musiker um sich scharte. Zwischen 1965 und 1969 waren „The Lords“ eine der meistbeschäftigten deutschen Beatbands, die mit englischsprachigen Songs in den deutschen Charts vertreten waren. Auch jetzt, nach über 50 Jahren, stehen sie immer noch auf der Bühne. Klaus-Peter Lietz, genannt „Leo“, stand uns für ein Interview zur Verfügung.
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Vielen Dank Leo Lietz, dass Du Dir ein wenig Zeit für uns nimmst. „The Lords“ sind ja eine Band der ersten Stunde im Deutschen Beat. Zur damaligen Zeit wurdet ihr von der Presse sogar als „ Deutsche Beatles“ gefeiert. War das damals für Euch Ansporn oder Belastung?
Musik zu machen, aus dem Alltag zu entfliehen, das war unser Ansporn. Die Belastung war, als wir Profis wurden, das ständige Reisen. Wir haben 6 Jahre aus dem Koffer gelebt, wir hatten keine Wohnung, nur unser Elternhaus.

The Lords1964Soweit ich mich erinnere, hattet ihr damals auch eine deutschsprachige Single herausgebracht. Warum habt ihr diese Idee nicht weiter verfolgt?
Ich habe diesen Titel auf Englisch geschrieben ( Nobody loves this Baby ), aber die EMI wollte einen deutschen Text, v. C.U.Blecher ). Zur damaligen Zeit verpönt, heute würden wir es uns anders überlegen.

Ich habe euch zum ersten Male 1966 im Beatclub gesehen, und kurz danach live in der Stadthalle Lüdenscheid. Beeindruckt war ich von eurem Outfit – weiße Rüschenhemden, dunkle Westen, Hosen mit Bügelfalten und Prinz-Eisenherz-Frisuren. Hattet ihr damals schon einen sogenannten Style-Berater oder wer hatte die Idee zu eurem Erscheinungsbild?
So einen Berater für Bühnenbekleidung gab es damals noch nicht. Das haben wir selbst erfunden und von meinem Vater, er war Schneider, machen lassen.

lordsplakat2Ihr habt ja in den 60ern einen Hit nach dem anderen abgeliefert. Ihr habt intensiv im In- und Ausland getourt und schlimme Schicksalsschläge wegstecken müssen. Wie habt ihr das zusammen als Band geschafft?
Wir hatten in der Band ein sehr gesundes und intensives Freundgefüge. Aber doch hatte jeder seine Freiheit und konnte als Einzelner machen, was er wollte.

Ihr seid eine Band, die immer noch live unterwegs ist. Kürzlich habt ihr euer 55-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert. Wie ist es nach einer solch langen Zeit – spielt ihr lieber live auf der Bühne oder im Studio?
thelords2Ein Live Gig ist durch nichts zu ersetzen, der macht immer noch Spaß. Studioarbeit ist ein Knochenjob.

Gibt es einen Auftritt in eurer langen Bandgeschichte, der dir bis heute besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Das sind zwei Gigs : zuerst die Polentour, die uns als 1. Westband hinter den eisernen Vorhang brachte. Und dann unser erstes Auftreten nach vielen Jahren in unserer Heimatstadt Berlin auf der Waldbühne. Da hatten die Berliner ihre verloren gegangenen Söhne wieder – es gab unbeschreiblichen Jubel.
Reloaded

Im Laufe der Jahre haben sich die Lords von einer Beatband der 1960-er Jahre zu einer authentischen und musikalisch anspruchsvollen Rockband entwickelt. Im letzten Jahr habt ihr eine neue CD, betitelt „Reloaded“ herausgegeben. Was dürfen eure Fans demnächst noch für Überraschungen von euch erwarten?
Diese CD war ein Muß, weil die alte 50er nicht mehr lieferbar ist. Jetzt arbeiten wir an einer CD mit kompletten neuen Songs.

Wenn Du auf Deine lange Karriere zurück blickst, gibt es da einen Moment, eine Wegkreuzung, die Du im Nachhinein anders gehen würdest, wenn Du noch einmal die Chance dafür hättest?
Nein, ich würde alles wieder genauso machen. Liebe Grüße an alle, die uns auf diesem Weg begleitet haben.

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Die Fragen stellte Roswitha Geisler
Wir bedanken uns bei Leo Lietz für die Erlaubnis, einige Fotos von seiner website hier zeigen zu dürfen.
Das Foto des Plakates „Die heisse Schau“ stellte uns Ralf Fröhlich zur Verfügung. Wir bedanken uns!

Mehr über die Lords hier bei uns:
1967 – “The Lords” in der Stadthalle Lüdenscheid
Grüße von Leo Lietz

Mehr über „The Lords“, Tourdaten und infos gibt es hier: http://www.thelords.de/

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