1968 – Trip durch den Orient / Teil 1

iranbusText von Peter Roese. Für die Fotos bedanken wir uns bei Nikolaus Weber.
*
Der total verstaubte und verdrecke Samba-Bus mit dem Kennzeichen KF-NT54 rollte auf die deutsche Grenzstation zu. Zwei diensteifrig dreinblickende Zöllner kamen lauernd, wie die Hirtenhunde, auf das recht mitgenommene Fahrzeug zu.
“Grüß Gott, wo kommen’s denn her?”, erkundigte sich der eine Beamte.
“Aus dem Iran, Persien”, lautete meine Antwort.

“Woher?” fragte der andere Zöllner erstaunt. “Zeign’s amol ihre Papiere.”
Er blätterte die Pässe durch und sagte anschließend ehrfürchtig zu seinem Kollegen: “Des gibt’s doch net, die san dadsächlich beim Schah g’wes’n.”
iranbus2Nachdem sich die Überraschung gelegt hatte, wurde man wieder dienstlich und der eine Beamte fragte: “Ham’s wos zum Verzoll’n dabei … an groß’n Perser oder so wos?”
“Wir haben weder einen toten, noch lebendigen Perser dabei, wir sind doch keine Menschenhändler”, antwortete ich grinsend.
Meine Begleiter Helmut und Nikolaus feixten.
Die Zöllner fanden das aber gar nicht lustig, ja, die schienen das in den falschen Hals zu kriegen und blickten sauer drein. Die haben eben keinen Humor, dachte ich.
Der eine Zöllner gab mir die Papiere zurück und schlich mit finsterer Miene um den Bus herum und inspizierte ihn genauestens. Ich bekam ein flaues Gefühl im Magen.
Dann baute er sich vor mir auf und sagte drohend: ”I glaub’ da müss’ ma a Zwangsvorführung beim TÜV macha. Fahrn’s doch amol da vorn’ an d’ rechte Straß’nseit’n hi. Dös Foahrzeig müss’ mer uns näher oschaung.”
Ich fuhr also langsam in Richtung Parkbucht. Dabei blickte ich immer wieder in den Rückspiegel, konnte aber keinen Verfolger entdecken.
iranztg.Vielleicht waren die beiden Beamten ja viel zu sehr damit beschäftigt von den wagemutigen jungen Abenteurern zu erzählen, die bis in das Reich des Schahs vorgedrungen sind, dessen Name dank der Regenbogenpresse in aller Mund war.
Böse Zungen behaupteten auch, der Schah wäre gerade für die Bayern so eine Art Ersatzkönig geworden, nachdem man keinen eigenen mehr hatte. Aber das behaupteten wirklich nur die ganz bösen Zungen. Schließlich hatte Reza Schah-in-Schah Aryamer – König der Könige, Licht der Arier, oder wie manche ihn respektlos nannten, °Rhesus Palaver”, angeblich keinen Tropfen bayerisches Blut in den Adern. Das war wohl auch gut so. denn wer konnte sich den Schah schon in Lederhosen vorstellen?
Ich gab Gas und die Grenzstation verschwand hinter uns.

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2 Gedanken zu „1968 – Trip durch den Orient / Teil 1

  1. Nikolaus Weber

    Den Reisebericht über Persien hast Du gut getroffen. Man fühlt sich richtig in die damalige Zeit
    zurück versetzt.
    Weiter so.

    Antwort
  2. peter m. roese

    Lieber Nikolaus,
    die Orientreiseberichte haben Dir also gefallen, das freut mich sehr. Vielen Dank für die Fotos, denn ohne diese wären die Beiträge halb so viel wert. Schau doch ab und zu bei unserer Homepage vorbei, da kommt noch mehr ..
    Grüße
    Peter

    Antwort

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