1968 – Trip durch den Orient / Teil 2

anatol1 Text von Peter Roese. Für die Fotos bedanken wir uns bei Nikolaus Weber.
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Wir hatten drei Engländer etwa in unserem Alter kennengelernt, die mit ihrem Landrover auf dem Weg nach Indien waren. Als wir abends zusammen um ein knisterndes Feuerchen herumsaßen, erzählte John, der Älteste, wie er als kleiner Junge noch Glanz und Gloria des Britischen Empire in Indien mitgemacht, als er dort mit seinem Vater, dem Sahib und seiner Mutter, der Memsahib, lebte. Was war das für eine Pracht, mit Paraden und Festen.

Das tollste Spektakel gab es jedes Jahr im Sommer, wenn die komplette Regierung Indiens mit dem Vizekönig an der Spitze, samt Botschaftern, aus dem heißen New Delhi nach Simla im kühlen Himalaya zog. Ganze Zugladungen voll mit tausenden Beamten, Militärs, Dienern, Frauen und Kindern, Gepäck, Akten und was noch alles, rollten über das Schienennetz nach Norden.

anatol2Für eine ganze Zeit lieferten die Engländer und wir uns eine sportliche Wettfahrt über staubigen Pisten Anatoliens. Wie immer war die Hitze schier unerträglich. Wir öffneten das Schiebedach komplett und auch noch die Heckklappe, um mehr Luft zu bekommen.
Nach einer Weile sah ich hinter uns den Landrover auftauchen. Das wird wieder ein Spaß, dachte ich mir und gab Gas. Aber der Bus wollte heute nicht so recht und die Engländer holten auf.
Schließlich fuhren wir, von Staubwolken umhüllt, nebeneinander her. Einer der Engländer winkte eifrig mit einem schmutzigen Lappen, der vermutlich einmal weiß war. Was hatte das denn zu bedeuten? Ich hielt schließlich an.
anatol3Das seltsame Verhalten unserer Weggenossen klärte sich schnell auf, denn als sie hinter uns herfuhren, fiel aus der offenen Heckklappe ein großer Gegenstand heraus.
Sie hielten an und sahen gerade noch, wie das Ungetüm von Waschkessel scheppernd eine Schlucht hinab rollte, wobei hin und wieder ein Wäschestück hinausgeschleudert wurde.
Sie schnappten sich eine Unterhose und fuhren damit wedelnd hinter uns her. Was für ein schmerzlicher Verlust!
Wir drehten eilig um und kehrten an den Ort des Geschehens zurück. Wir mußten uns beeilen, denn wenn ein anatolischer Bauersmann diesen Schatz entdecken würde, anatol4verschwand garantiert alles. So etwas tolles hatte er bestimmt noch nie angehabt, da würden seine Weibsleut daheim Augen machen!
Tatsächlich erblickten wir weiße und weniger weiße Tupfer, malerisch auf den Felsen verstreut. Vom Waschkessel fehlte jede Spur. Wegen des gefährlichen Abstiegs in die Schlucht mußten wir wohl oder übel das gute Stück abschreiben.
Später haben wir dann den Dreh gefunden, die Klamotten einigermaßen sauber zu bekommen. Da sind wir nämlich mit allem was wir anhatten in irgendein Gewässer gestiegen und haben das Zeug mit Seife am Körper gewaschen.

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