1968 – Trip durch den Orient / Teil 3

araratkamelText von Peter Roese. Für die Fotos bedanken wir uns bei Nikolaus Weber.
*
Der schneebedeckte Gipfel des Berges Ararat, wo die biblische Arche Noah gelandet sein soll, war in der einbrechenden Dämmerung gerade noch zu erkennen, als wir uns nach einem geeigneten Rastplatz für die Nacht umsahen. Keine Ortschaft war weit und breit zu entdecken. Die Dunkelheit brach herein, als ich den Bus auf eine sanfte Anhöhe nahe der Straße steuerte und bei einer Steinsäule stehen blieb.

Wir waren hundemüde und verzehrten ein frugales Abendessen unter dem prachtvollen Sternenhimmel. Dann krochen wir in die Schlafsäcke, Schreckschußpistole und Macheten griffbereit neben uns. Man wußte ja nie …
ararat3Bevor ich richtig einschlief, glaubte ich noch menschliche Stimmen, Blöken von Schafen und das Heulen von Schakalen und Wölfen zu hören. Oder war es nur Einbildung?
Nach einer eiskalten Nacht weckte uns die Sonne mit ihren wärmenden Strahlen. Auf einmal roch es nach Rauch. Ich blickte zu der Steinsäule, aus der oben Rauch quoll. Das war doch ein Kamin!
Ich ging hinunter zur Straße, da gab es eine Türe. Ja, was war denn das? Langsam dämmerte es mir: Da hatte ich den Bus doch tatsächlich im der Dunkelheit auf das Dach einer offensichtlich bewohnten Erdhöhle gefahren!
Nach mehrfachem Klopfen öffnete sich die Türe und da stand ein älterer Mann mit noch einer älteren Flinte. Hinter ihm waren einige ängstliche Gesichter zu sehen.
“Alman, Alman (Deutscher, Deutscher)”, rief ich, auf mich selbst deutend.
Da hellten sich die Gesichter auf und unter vielen “Salams” bat man mich einzutreten. Mein Gott, durchfuhr es mich, die leben vielleicht ärmlich! Die Erdhöhle bestand aus einem einzigen Raum.
ararat2In der hintersten Ecke war Holz und Stroh aufgeschichtet, davor trieben sich ein paar Schafe und Hühner herum. Es gab keinerlei Möbelstücke, die Klamotten hingen an Holzpflöcken, die man im die Wände getrieben hatte. Aufgerollte Matratzen lagen entlang der Wände – die Betten. In der Mitte befand sich ein offenes Feuer, von größeren Steinbrocken eingerahmt. Das war die ganze Einrichtung, für etwa ein Dutzend Leute …

Hier geht`s zum Teil 1
Hier geht`s zum Teil 2

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2 Gedanken zu „1968 – Trip durch den Orient / Teil 3

  1. peter m. roese

    Liebe Karin,
    ja, das war damals noch ein tolles Abenteuer. Wo 1968 Kamelkarawanen und schwer beladene Esel auf den staubigen Pisten (teilweise der ehemaligen Seidenstraße) ihrer Wege zogen, sind die Straßen heute ausgebaut und es herrscht reger Verkehr, vor allem mit LKW’s. Erfreulicherweise hat Nikolaus Weber damals diese einmaligen Aufnahmen gemacht. Es kommen noch einige Fortsetzungen dieser Abenteuer …
    Viel Spaß dabei!
    Peter

    Antwort

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