Interview mit Peter Güttenberger von „The Sirs“

sir1Einst tourten „The Sirs“ als erfolgreiche Beat-Band aus Wien durch ganz Europa. Von ihrer Schallplattenfirma FONTANA bekamen sie „Pures Gold“ für 50.000 verkaufte Tonträger. Wir freuen uns, dass Peter Güttenberger, Organist und Sänger der Band, bereit war, uns für ein Interview zur Verfügung zu stehen.
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Vielen Dank Peter, dass Du Dir ein wenig Zeit für uns nimmst. „The Sirs“, die fünf Wiener Beatboys, begeisterten damals nicht nur die Fans, sondern auch die Presse. Sogar in der BRAVO wurde über euch berichtet! Wie kamt ihr eigentlich dazu, eine Beat-Band zu gründen?
Wir waren in einem Akkordeon- Orchester und spielten E- Musik. Dann wollten wir „modernere Musik“ machen, und daraus entwickelte sich eine Gruppe mit dem Namen „The Flyers“.
Robert spielte Orgel, ich lernte Gitarre, Charly Schlagzeug. Mike und Walter kamen erst viel später dazu. Dann fehlte uns also noch eine Bassgitarre und ein Leadsänger. Wir fanden diese neuen Musiker und änderten wieder unserer Instrumente. Charly spielte Bassgitarre, Robert saß jetzt am Schlagzeug, Peter war für die Orgel zuständig, Walter für die Leadgitarre, Mike für die Gitarre und den Gesang.

sir2Hattet ihr Inspirationsquellen oder Vorlieben? Welche Bands haben euch am Anfang besonders beeinflusst?
Unsere Vorbilder waren die Beatles, Kinks und Lords. Es lag also nahe, uns „The Sirs“ zu nennen.

Ihr wurdet mit der „Goldenen Maxi“ als beste Beatband Österreichs ausgezeichnet. In Deutschland wart ihr 1969 die Nummer 2 in der Hitparade mit dem Song „Proud Mary“. Erzähl doch mal, wie war es, plötzlich eine Menge Fans zu haben und ständig im Radio gespielt zu werden?
Zum Glück sind wir langsam hinein gewachsen. Der sogenannte Ruhm kam langsam, so konnten wir uns daran gewöhnen. Es war nicht so so wie bei den heutigen Castingshows von 0 auf 100. Wir spielten täglich abends, meistens einen Monat lang in einem Lokal. Natürlich waren wir sehr stolz und erfreut. Kleine Episode: in Mühlheim an der Ruhr fuhr uns die Polizei mit Blaulicht nach, nur um ein Autogramm zu erhalten…..

sir3Anschließend habt ihr intensiv getourt. War das nicht hart für euch, immer unterwegs zu sein? Wie habt ihr das zusammen als Band geschafft? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?
Wir lebten ca 10 Jahre lang aus dem Koffer. Es gab einen super Zusammenhalt. Unser Tagesablauf war so: abends spielen, dann noch feiern, schlafen bis 10 Uhr, dann proben. Das hat immer funktioniert. Heute noch fragen wir uns, wie wir das geschafft haben. Aber es wir die schönste Zeit in unserem Leben. Wir bekamen das Feedback sofort. Waren wir gut, war das Lokal voll. Das war die beste Belohnung.

sir4Gibt es einen Auftritt in eurer Bandgeschichte, der dir bis heute besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Natürlich: Unser erster Auftritt in Berlin vor ca. 2.000 Leuten, wo wir gar nicht so gut ankamen. Wir waren eben unerfahren. O-Ton  eines Besuchers: „Ihr könnts ned spielen, aber seid´s dufte Jungs“.
Oder als wir mit Ohio Express in Linz in der Stadthalle spielten und sich die Band zwei Stunden verspätete und wir aufgefordert wurden: „Spielts einfach weiter“.
Oder als in Rotterdam so gegen 3 Uhr früh ein paar langhaarige Jungs in das fast leere Lokal kamen und zu der Nummer „Hey Jude“ einen Chor sangen. Was damals nicht wußten – es war Rod Stuart mit seiner Gruppe.

sir5Nach sieben Jahren „The Sirs“ wurde die Band aufgelöst. Warum? Und was macht ihr heute?
Warum: Die Frauen. Drei von uns waren verheiratet, es gab Zoff. Wir gingen nicht im Streit auseinander, aber jeder wollte etwas Neues versuchen. Robert spielte bei den „Specimen“, Charly und Mike bei den „Allrounds“, ich bei den „Top Hatters“ als Amateur. Die anderen waren weiterhin Berufsmusiker.
Wir blieben aber immer im Kontakt. Nach 30 Jahren gab es noch eine CD.

Gehört dein Herz auch heute noch der 60er-Jahre Beatmusik? Oder was hörst du gern?
Ja, mir gefällt viel Neues, aber mein Herz hängt noch an den alten Hadern. Obwohl sich viele neue Nummern an die alten anhängen.

sircdAuf euerer website ist zu lesen, dass einige von Euch, nämlich Peter Güttenberger, Robert Zawiazik und euer Sänger Michael Manak nun nach 40 Jahren wieder auf der Bühne stehen. Was sind eure Pläne? Werden wir etwas von euch hören oder sehen? Wann und wo?
Pläne sind da. Es ist nur jetzt etwas schwieriger, unsere Termine zu koordinieren. Mike ist meistens in Florida, in bin in der Steiermark, Robert in der Nähe von Wien. Aber Plan, Ideen und Wille ist vorhanden. Es wird sicher noch einen HIT geben.

sirletztWenn Du auf Deine Beat-Karriere zurück blickst, gibt es da einen Moment, eine Wegkreuzung, die Du im Nachhinein anders gehen würdest, wenn Du noch einmal die Chance dafür hättest?
Ich würde noch mehr arbeiten, noch mehr üben, noch mehr proben. Auch das Beenden nach sieben Jahren war nicht vernünftig. Wir hätten mit noch mehr Engagement sicher noch mehr erreichen können. Auch haben wir Lieder abgelehnt, die sicher Hits geworden wären. Wir hatten die Idee, Rock in Deutsch zu singen. Dies hat unsere Plattenfirma leider abgelehnt. Da haben wir uns zu wenig durchgesetzt.
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Die Fragen stellte Roswitha Geisler.
Wir bedanken uns bei Peter Güttenberger für die Fotos!

Mehr über „The Sirs“ hier bei uns – mit Video! (bitte klicken):
1968 – „The Sirs“ aus Wien

Noch mehr über „The Sirs“, Neuigkeiten und Infos gibt es hier: http://www.the-sirs.at/

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Ein Gedanke zu „Interview mit Peter Güttenberger von „The Sirs“

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