1968 – Trip durch den Orient / Teil 4

irankara1Text von Peter Roese. Für die Fotos bedanken wir uns bei Nikolaus Weber.
*
Wir passierten das staubige Dogubayazit. Nun war es nur noch ein kurzes Stück bis zur iranischen Grenze.
Etwas südlich von der Stadt, auf einem Plateau, lag übrigens der sehenswerte Palast (Izhak Pascha Serail) des Kurdenemirs Izhak Pascha, aus dem 17./18. Jahrhundert. Unterhalb des Plateaus lagen die Reste der Stadt Eski Dogubayazit, die von den Russen gegen Ende des 1. Weltkriegs 1918 zerstört worden war. Wir kamen direkt am Berg Ararat (Agri Dagi, 5.165 m) vorbei.
Da tauchte auch schon die türkische Grenzstation Gürbulak auf. Es herrschte einiger Betrieb dort, aber es waren fast alles einheimische LKWs und kaum ein PKW. Wir reihten uns in die Schlange der wartenden Brummis ein. Fast jeder der wegfuhr, stieß eine fürchterliche Qualmwolke aus.
irankarawane“Seid’s ihr werkli aus’m Allgai?”, rief ein wild aussehender, unrasierter Typ mit einem Tuch auf dem Kopf, aus dem Fahrerhaus des LKWs hinter uns. Der hat doch tatsächlich eine Autonummer aus München!
“”Ja, wir sind aus dem Allgäu”, bestätigte ich.
“Wo wollts denn hie?”, krähte er weiter.
“Nach Teheran, ans Kaspische Meer und vielleicht noch weiter nach Osten”, klärte ich ihn auf.
“So oafach zum Spoß?”, fragte der Münchener Kurde erstaunt.
Ohne auf eine Antwort zu warten, fuhr er fort: “Ihr Deutsch’n seid’s scho seltsam. Ihr seid’s doch früher in Teheran als i, könnt’s ihr a Packl für mi mitnehmer?”
Das gefiel mir nun gar nicht. Wer weiß der Kerl in dem Päckchen drin hatte. Bei solchen Sachen ist schon mancher ahnungslose Tourist böse auf die Schnauze gefallen. Bevor ich dem Typen allerdings antworten konnte, wurde sein Lastwagen von einem Grenzbeamten an eine andere Stelle dirigiert. Endlich ging es wieder ein Stück vorwärts. Die türkischen Grenzbeamten waren recht freundlich, als sie feststellten, daß wir Aleman waren.
irankara2Alles lief im Stil der traditionellen deutsch-türkischen Freundschaft ab und der Chef der Grenzstation lud uns sogar zu einem Tässchen Tchai ein. Die Zeit für solche Zeremonien muß man sich im Orient allemal nehmen! Der türkische Beamte ließ es sich nicht nehmen uns höchstpersönlich beim Chef der iranischen Grenzer vorzustellen. Der hieß uns Olmon, wie die Deutschen hier genannt wurden, wie lange nicht gesehene, liebe Verwandte, willkommen. Unter solchen freundschaftlichen Bedingungen waren die Einreiseformalitäten rasch erledigt.
“Wir haben es bis in den Iran geschafft”, jubelte Nikolaus begeistert.
Wir stimmten ihm aus vollem Herzen zu.
Weiter ging die Fahrt, Richtung Teheran. Immer wenn ich in den Rückspiegel blickte, konnte ich noch lange die schneebedeckte Spitze des Ararat erkennen.

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