1968 – Trip durch den Orient / Teil 5

dorfiranText von Peter Roese. Für die Fotos bedanken wir uns bei Nikolaus Weber.
*
Es war kurz hinter Qazvin als die Dämmerung hereinbrach. Wir sollten uns langsam nach einer Übernachtungsmöglichkeit umsehen. Direkt neben der Straße stand eine Ruine, dahinter ein Dorf. Wir hielten an. Die Ruine entpuppte sich als als ehemalige Karawanserei.
“Das wäre doch ein schönes, abenteuerliches Hotel für eine Übernachtung”, rief Nikolaus erfreut.
Ich wollte erst einmal die Lage sondieren und schritt durch das verfallene Tor, hielt aber abrupt inne, denn ein bestialischer Gestank empfing mich.

Ein Blick hinter die Kulissen überzeugte mich schnell, dies war kein idealer Übernachtungsort, denn überall lagen duftende “Häufchen” herum. Die Dorfbewohner nutzten offensichtlich das mittelalterliche Gemäuer als öffentliche Toilette.
“Versuchen wir unser Glück doch in dem Dorf”, schlug Helmut vor.
Ich lenkte den Bus also Dorf. Innerhalb von Sekunden waren wir von einer Menschentraube umringt. Die Männer trugen fast alle schäbige europäische Anzüge, die Frauen bunte Pluderhosen und Umhänge. Der Tschador, diese alles verhüllende Gewand, war auch zu sehen. Wir stiegen aus und verkündeten das obligatorische “Salam”, schüttelten einige Hände und versuchten mit allerlei Zeichen und Gebärden das Dorfoberhaupt herauszufinden.
Da schob sich ein stattlicher Mann durch die Menge, der sich höflich verbeugte und fragte: “How are you?”
Wir waren freudig überrascht, da würde doch die Verständigung einfach sein. Aber weit gefehlt, denn dies waren die einzigen ausländischen Worte, die der lokale Sprachverständige beherrschte. Nichts desto trotz ging die fröhliche Begrüßungszeremonie weiter, und als ich auf mich und die Freunde zeigte und “Olmoni” (“Deutsche”) rief, antwortete der Chor begeistert “Olmoni”, “Olmoni” …
Wir versuchten den Bewohnern unseren Wunsch nach einer Übernachtungsmöglichkeit klarzumachen. Das mitgeführte Wörterbuch war wenig hilfreich. Also kehrten wir zur Zeichensprache zurück. Das Gesicht des Dorfoberhauptes erhellte sich und er rief den Umstehenden Befehle zu. Nun holte Helmut die berühmte große Tabaksdose und eine Rolle Toilettenpapier herbei. Nach kurzer Einweisung begriffen die anwesenden Männer rasch, wie wunderbar man aus Toilettenpapier und Tabak Zigaretten drehen kann. Paffend umringten sie uns, während bei jedem Zug aus der Zigarette Stichflammen hervorschießen. Dabei sengte sich, zum Ergötzen der Dörfler, einer der Raucher die Haare an.

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