1968 – Trip durch den Orient / Teil 6

dorfiran2Text von Peter Roese. Für die Fotos bedanken wir uns bei Nikolaus Weber.
*

Der Bürgermeister lud uns in eines der Flachdach-Lehmhäuser ein, aus dem gerade einige Leute mit Bündeln bepackt herauskamen. Inzwischen hatte die Abenddämmerung eingesetzt.
“Die haben das Haus anscheinend gerade für uns geräumt”, sagte Nikolaus erstaunt.
Wir betraten einen großen, leeren Raum und zogen, wie es Landessitte war, die Schuhe aus.. Da erschienen auch schon ein paar Männer, die verschiedene Dinge mit sich führten, zwei davon einen großen Teppich, den sie am Boden ausrollten.

Wir setzten uns mit gekreuzten Beinen hin. Eine Petroleumlampe flammte auf und nun war erkennbar, was die Männer da brachten. Da war ein Becken mit glühender Holzkohle, ein Topf. eine Pfanne, ein Teekessel, Fladenbrot, Fleischstückchen, Eier, Gemüse und noch einige andere Sachen. Im flackernden Schein der Petroleumlampe bereitete ich die Landkarte aus und zeigte den Männern den Weg, den wir gekommen waren. Nebenbei erfuhren die Männer so das erste Mal, in welcher Gegend des Iran ihr Dorf stand! Inzwischen hatten zwei der Männer geschickt mit den einfachsten Mitteln das Abendessen zubereitet. Würzig duftende Fleischstückchen brutzelten in der Pfanne und wurden anschließend auf eine Messingplatte gelegt. Dann bereiteten die zwei Meisterköche ein Omelett zu. Mangels Tellern wurde alles auf ein großes Fladenbrot gelegt, das gleichzeitig als Tischdecke diente. Die wurde zum Schluß mit verzehrt. Es schmeckte köstlich. So verging der Abend bei einem Gläschen Tschai in angenehmer Atmosphäre.
ararat2Als die Gastgeber aufbrachen, beschlossen wir uns noch ein wenig die Füße in dem Gehöft zu vertreten. Plötzlich erschallte das Blöken von Schafen unter unseren Füßen. Was war denn das? Die Sache klärte sich schnell auf, als wir ein massives Eisengitter entdeckten, das ein Loch verschloß. Im Schein der Taschenlampe sahen wir zahlreiche Schafe, die so vor Wölfen geschützt waren. Die glatten Mauern des Verlieses ließen vermuten, daß es sich bei dem Raum um ein Gewölbe oder einen Keller eines antiken Gebäudes handelte. Wie wir später herausfanden, hievten die Dorfbewohner die Tiere jeden Morgen mit Seilen und Riemen aus ihrem sicheren Nachtquartier. Abends ging es anders herum.
Wir konnten die Wölfe bereits heulen hören, schliefen aber trotz dieser schaurigen Geräuschkulisse wie die Mehlsäcke.

Hier gehts zum Teil 5

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