1968 – Trip durch den Orient / Teil 7 / Schluss

ararat1Text von Peter Roese. Für die Fotos bedanken wir uns bei Nikolaus Weber.
*
Beim Sonnenaufgang am nächsten Morgen ertönte das fröhliche Kikeriki eines Hahnes.
“Das Vieh könnte ich eigenhändig erwürgen”, brummte Nikolaus erbost.
“Du bringst mich auf eine Idee”, sagte ich, “wir haben doch immer Probleme, Fressalien in den Dörfern zu bekommen. Wie wäre es mit ein paar Hühnern und einem Käfig, den wir auf dem Dach des Busses befestigen. Da gäbe es frische Eier und ab und zu ein knuspriges Hähnchen.”

Gesagt, getan. Nach dem frugalen Frühstück suchte ich mir einen Dörfler, der von Hühnern umgeben war. Ich erklärte dem kleinen Männchen mit Händen und Füßen, das ich meine alte, schäbige ärmellose Hasenfelljacke gerne gegen ein paar Hühner eintauschen würde. Das Männchen schien höchst interessiert. Gerade wollten wir das Geschäft per Handschlag besiegeln, als eine fürchterlich keifende Frau auftauchte und auf das kleine Männchen zustürzte. Ich stellte mich schützend vor den armen Kerl. Aber ich begriff schnell, das es sich nur um den verbalen Angriff seiner Frau handelte, die nichts von dem Geschäft hielt. Zerknirscht drückte mir der Gescholtene die Hasenfelljacke in die Hand und verkrümelte sich. Die herumstehenden Dörfler lachten sich kaputt. Da war nichts mehr übrig vom Gehabe orientalischer Paschas, die ihr Weibervolk kurz hielten.
Ein alter Mann hatte inzwischen den Verbandkasten im Bus entdeckt und zeigte mit schmerzverzerrter Mine auf seinen linken Ellenbogen. Da hatte ich eine Munitionskiste der Amis umfunktioniert, weiß gestrichen und mit einem roten Kreuz versehen. Im Iran ab es statt des Roten Kreuzes den Roten Löwen. Woher wusste der Alte vom Roten Kreuz?
Da kam mir eine Idee: Die Amis waren im 2. Weltkrieg im Iran einmarschiert, um eine strategische Verbindung für Nachschub an die Sowjetunion zu sichern. Vielleicht war der Alte sogar von amerikanische Sanitätern ärztlich versorgt worden.
“Der glaubt, ich wäre ein Arzt, ein Hakim. Wahrscheinlich hat er Rheuma, da verarzte ich ihn mit Nivea Creme. Das ist eine gute Gelegenheit auszuprobieren, ob der Glaube tatsächlich Wunder bewirkt.”
iranbusAlso schmierte ich ihm mit geheimnisvolle Mine den Ellenbogen ein. Und tatsächlich, das Wunder geschah, denn nach ein paar Minuten kehrte der Patient zurück und schwenkte freudestrahlend seinen linken Arm. Diese Wunderheilung wirkte wie ein Signal, denn aus allen Ecken strömen die „Lahmen und Kranken“ herbei, um sich von dem Hakim behandeln zu lassen.
„Nichts wie weg“, rief ich, „oder unser Erste-Hilfe-Kasten wird geplündert. Das kann lebensgefährlich werden, falls uns etwas passiert. Da haben wir keine Möglichkeit uns medizinisch zu versorgen.“
Also packten wir unsere Sachen zusammen, verabschiedeten uns artig bei den gastfreundlichen Leutchen und machten uns im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub, eine gewaltige Staubwolke hinter uns herziehend.
– Ende –

Hier gehts zum Teil 6

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