1965 – Flug nach Mallorca / Teil 1

mallorcaticketText und Fotos von Peter Roese
*
Ich hatte einen Flug nach Mallorca gebucht. Ein Freund hatte mich dazu angestiftet.
“Flieg doch nach Palma”, riet er mir, “da spürst Du den Duft der großen weiten Welt, das ist fest in englischer und skandinavischer Hand. Du weißt ja, die Mädels aus dem hohen Norden sind recht freizügig.”
Letzterem Argument konnte ich mich nicht verschließen. Es war März 1965, nicht gerade die ideale Reisezeit, aber da es in der Nebensaison war, die billigste. Endlich zum Jet-Set gehören! Da stand ich nun bei trübem Wetter in München am Flughafen Riem. Neben mir liefen zwei liebreizende Mädels nervös auf und ab.

mallorca1“Ihr habt wohl Flugangst”, sprach ich sie provokativ an.
Sie nickten betreten. Da konnte ich doch gleich den ritterlichen Beschützer spielen und vielleicht sogar mit der Blonden oder der Dunkelhaarigen anbandeln.
“Keine Angst”, sagte ich souverän, “das Fliegen ist sicher, ich habe da meine Erfahrungen. Außerdem bin ich bei der Luftwaffe.”
Ich brauchte den Mädels ja nicht zu sagen, das meine Flugerfahrungen sehr limitiert waren und ich außerdem, obwohl ich bei der Luftwaffe war, keinen Pilotenschein hatte. Die Gesichter der Mädels leuchteten auf.
mallorca2Mit dem Bus ging es hinaus auf das Rollfeld. Der Fahrer steuerte auf eine schlanke Düsenmaschine vom Typ Caravelle zu. Das war doch schon etwas anderes, als die dickbauchige, klapprige Noratlas von der Luftwaffe, mit der ich vergangenes Jahr geflogen war!
Die Passagiere betraten über die Gangway die Maschine und wurden freundlich von den Stewardessen begrüßt. Ich hatte leider keinen Fensterplatz erwischt und mußte meinem Nachbarn über die Schulter schauen. Nachdem alle Passagiere angeschnallt waren, ließ der Pilot die Triebwerke an und die Maschine rollte fauchend und heulend langsam zur Startposition, wo sie auf die Startfreigabe wartete. Währenddessen trug das Stewardessen-mallorca3Ballett anmutig die Instruktionen im Zusammenhang mit den Notfallmaßnahmen vor. Dabei verhedderte sich eine der attraktiven Damen mit ihrer wundervoll toupierten Haarpracht im Gummiband der Sauerstoffmaske. Sie wurde mühsam, zum Gaudium der Passagiere, von einer Kollegin aus ihrer mißlichen Lage befreit. Sie sah danach ganz schön zerrupft aus. Mit hochrotem Kopf verschwand sie in einer der Toiletten und blockierte diese für eine gute halbe Stunde. Währenddessen gab der Pilot Vollgas, das Flugzeug beschleunigte rasch und ich wurde mit flauem Magen an die Rücklehne gepreßt. Ratternd und vibrierend schoß sie die Startbahn entlang Dann hob der Jet ab, stieß durch die Schleierwolken und schwebte nun im strahlenden Sonnenschein. Dann rastete das Fahrwerk rumpelnd unter den Füßen der Passagiere ein. Es war auf einmal richtig leise. Der temporäre Ausfall der Stewardess bewirkte, das sich die Ausgabe von Getränken verzögerte.

Fortsetzung folgt…

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