1965 – Flug nach Mallorca / Teil 2

url1lomoText und Fotos von Peter Roese
*

Der Flug ging über die Schweiz nach Südfrankreich, wo mein Nachbar, der ständig ständig angestrengt aus dem Fenster sah, plötzlich ganz aufgeregt ausrief: “Das gibt es doch nicht, dort unten liegt doch tatsächlich der Fliegerhorst, wo ich im Krieg als Pilot mit meiner Bf 109 stationiert war.”
Wir kamen ins Gespräch und ich stellte mich als Mitglied der Bundesluftwaffe vor, wenn auch nicht von der fliegenden Zunft, aber doch einer der von der Flugzeugtechnik begeistert war.
Das Ergebnis war eine ausgedehnte Fachsimpelei und so verging die Zeit im wahrsten Sinne wie im Fluge.
Die Landung in Palma de Mallorca verlief reibungslos. Ein Bilderbuchwetter begrüßte die sonnenhungrigen Reisenden aus dem Norden. Es sah tatsächlich alles so aus wie auf den bunten Prospekten. Zu meinem Bedauern fuhren die beiden Mädels mit der Flugangst in ein Hotel auf die andere Seite der Insel. Sie verabschiedeten sich von mir, mit je einem Kuß auf die linke und die rechte Wange drückten. Herrlich …
“Ist das nicht entzückend”, seufzte eine ältere Dame neben uns, “das erinnert mich an meine Jugendzeit.”
urllomoBusse stand bereit, um die Reisenden durch das quirlige Palma zu ihren Hotels zu bringen. Als wir vor unserem Hotel ankamen, dachte ich enttäuscht, dieses etwas heruntergekommene Etablissement sieht ja nun wirklich nicht wie ein Vier-Sterne-Hotel aus. Aber was konnte ich schon erwarten, für die paar Scheine die ich für den Urlaub hingeblättert hatte? Innen sah das Hotel auch nicht viel besser aus. Es hatte den Charme einer viel benutzten Absteige, mit verschossenen Tapeten und abgewetzten Sesseln. Der Blick aus dem Zimmer war schlichtweg deprimierend: Ein schmaler, ungepflegter Hinterhof – von wegen Meeresblick! Selbst durch das geschlossene Fenster konnte man das gammlige Fett aus der Fritteuse der Küche riechen. Das war alles wenig erhebend, dachte ich, aber ich hatte ja schließlich nicht vor, meine Zeit im Hotelzimmer zu verbringen.
Zunächst begab ich mich ins Restaurant, um etwas zu essen und mich umzusehen. Ich öffnete die Türe – und prallte zurück . “Um Himmelswillen”, entfuhr es mir, “wo bin ich dann da hingeraten?” Das war vielleicht ein Schock, lauter Familien mit kreischenden Bälgern, die gerade mit dem Nachtisch um sich warfen Doch dann sah ich einen Tisch, an dem ein paar junge Leute saßen. Ich steuerte automatisch darauf zu.
“Endlich noch ein Jüngling”, rief eines der dort sitzenden Mädels, “unser Urlaub ist gerettet.”
Fortsetzung folgt…

Hier gehts zum Teil 1

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