1960 – mit dem Fahrrad nach Paris – Teil 3

3paris1Zusammen mit Jürgen Ruhe war Peter Roese 1960 per Fahrrad von Erlangen nach Paris unterwegs. Text und Fotos stammen von Peter Roese.
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Wie Jürgen schon in Teil 1 berichtete, hausten wir in Paris in der Jugendherberge, einer ehemaligen Fabrik. Das sah alles recht trist aus, aber wir wollten ja schließlich nur ein möglichst billiges Dach über dem Kopf haben. Von unserem Schlafsaal aus blickten wir auf den Hinterhof, wo sich die Toiletten befanden, und zwar eine ganze Reihe nebeneinander, Typ französisch, mit einem Loch im Boden und zwei Trittmulden.

3paris2Statt einer richtigen Türe besaß jede Toilette eine halbhohe Schwingtüre, ähnlich wie sie in den Saloons des Wilden Westens üblich waren. Wenn jemand sein Geschäft erledigt hatte, hörte man die Spülung rauschen, die Türe ging auf und wie ein geölter Blitz schoß die oder der Erleichterte heraus, verfolgt von einem Wasserschwall, auf dem allerlei Anrüchiges nebst benutztem Zeitungspapier schwamm.
Für uns Neulinge war es natürlich eine Mordsgaudi, das zu beobachten, als war dann aber die Toiletten selber benutzen mußten, war der Spaß allerdings vorbei.

3paris3Die Metro war eine feine Sache, unterirdisch von einem Punkt der Stadt schnell zum anderen zu gelangen. Einmal fuhren wir mit der letzten Metro zurück zur Juhe. Außer Jürgen und mir befand sich nur noch eine hübsche, junge Dame im Waggon. An der nächsten Station stiegen einige finstere Typen zu, die sich hinter der Jungen Dame aufbauten. Und dann geschah das Unglaubliche: Einer der Typen klaute der jungen Dame die Ohrringe – und sie merkte nichts! Wir griffen natürlich nicht ein. Sollten wir wegen ein paar Ohrringen die Helden spielen? An der nächsten Station verließen wir fluchtartig die Metro.

3paris4Ach ja, noch eine anrüchige Sache. Auf den Straßen in Paris standen diese äußerst praktischen und hygienische Pissoirs, um dem männlichen Teil der Menschheit Erleichterung zu verschaffen. Eine halbhohe Blechwand. gewunden wie ein Schneckenhaus, schützten die edlen Teile des Benutzers vor neugierigen Blicken. Wir beobachteten amüsiert einen Mönch, der dieses gar nicht stille Örtchen aufsuchte. Da stand er also hinter der Blechwand, die von den Schultern bis zu den Knien reichte. Die schwarze Soutane hob sich, zwei behaarte Beine und Socken mit Sockenhaltern wurden sichtbar, ein Wasserstrahl plätscherte herab. versiegte, die Soutane verdeckte wieder die Beine und das Mönchlein verließ erleichtert den Schneckengang.

Hier geht`s zum Teil 4 / Rückfahrt

Hier geht`s zum Teil 2
Hier geht`s zum Teil 1

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