1960 – mit dem Fahrrad nach Paris – Teil 4 /die Rückfahrt

parisfahrrad1Zusammen mit Jürgen Ruhe war Peter Roese 1960 per Fahrrad von Erlangen nach Paris unterwegs. Der Text des 4. Teils ist von Peter Roese und die Fotos sind von Jürgen Ruhe.
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Leider hatten wir nicht genug Geld, um uns außer ein paar berühmten Sehenswürdigkeiten, inklusive Versailles, viel mehr anzusehen. Jedenfalls verließen wir die französische Hauptstadt und trampten nach Nancy (oder wie ein Ami sagte: Nänzi – wir glaubten zunächst es wäre seine Freundin!).
Die Fahrt dorthin verlief offensichtlich ereignislos, denn es blieb nichts im Gedächtnis haften. Halt, da ist noch eine weniger erfreulich Story. Ein Fahrer ließ uns mitten in der Nacht aussteigen. Es hatte vorher geregnet, aber zum Glück kam der Mond heraus. Nun hieß es, ein geeignetes Plätzchen zum Übernachten zu finden.

Wir liefen also bei hellem Mondschein los, dabei fiel ich fast in den Marne-Rhein-Kanal, dessen Oberfläche wie eine nasse Asphaltstraße aussah. Wir waren hundemüde und bauten unser kleines Zweimannzelt auf einer etwas abschüssigen Wiese auf. Bald schnarchten wir um die Wette. Mitten in der Nacht wachte ich auf. Es schüttete wie verrückt und ein Sturzbach rauschte durch das Zelt. Die Stimmung war auf dem Nullpunkt, denn auch in unseren Schuhen, die wir zum Lüften vor das Zelt gestellt hatten, stand das Wasser und einige Nacktschnecken tummelten sich auch darauf herum.

parisfahrradIn Nancy angekommen, holten wir unsere Räder von der Gepäckaufbewahrung ab. Wir waren nun ganz schön abgerissen und hungrig wie die Wölfe. Da kam mir die rettende Idee: Ich hatte doch die lieben beiden Tanten in Frankfurt, die würden uns sicher ein paar Tage Asyl gewähren und wieder aufpäppeln.

Der wahre Grund für unsren miesen Zustand war selbst verschuldet, denn wir wollten die Reiskasse möglichst gefüllt lassen, um uns jeder eines dieser modernen Transistor-Kofferradios zu kaufen. Die Eltern hätten uns das nie erlaubt. So lebten wir also meist von Weißbrot und Schokolade.

paris1Wir strampelten also über Saarbrücken, wo wir irgendwo die Radios kauften, an einem kleinen See campierten, um unsere Neuerwerbungen zu testen. Wir waren natürlich hellauf begeistert! Soweit ich mich erinnern kann, war mein Kofferradio mit rotem, weichem und strukturiertem Kunstleder überzogen. Jürgen meint, es wäre ein Grundig gewesen. Er hatte einen Saba.

Weiter ging es über Kaiserslautern und Bad Kreuznach nach Frankfurt. Der Empfang durch Tante Trude und Tante Hertha war überwältigen. Unsere Klamotten wurden gereinigt, wir unterzogen uns einer ausgiebigen körperlichen Reinigung und dann verbrachten wir ein paar Tage “wie Gott in Frankreich.” Den Höhepunkt dieser generösen Gastfreundschaft bildete die Ankündigung der Tanten, sie würden uns die Bahnfahrkarten nach Erlangen stiften! So kamen wir blitzsauber und wohlgenährt zu Hause an, wo uns unsere Altvorderen freudig in die Arme schlossen.

* ENDE des Reiseberichts*

Hier geht`s zum Teil 3
Hier geht`s zum Teil 2
Hier geht`s zum Teil 1

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