Chewing Gum und Hershey’s – die Ami`s und ich in den 60ern

amis1Text und Fotos von Peter Roese
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Wir wurden als Kinder und Jugendliche stark durch die Amerikaner ( und Ihre Musik! ) geprägt. Mein absoluter Lieblingssender war der AFN Nuremberg. Den habe ich insgeheim gehört, das durften die Eltern natürlich nicht wissen, denn das war sogenannte “Negermusik”! Ich bin 1944 in Erlangen bei Nürnberg geboren, das lag in der Amerikanischen Besatzungszone.

Die GI’s …, was haben wir diese Kreuzritter der Demokratie beneidet, die aus jenem Land amis2kamen, wo angeblich Milch und Honig floß! Die waren wohlgenährt, hatten blitzblanke Uniformen an, fuhren riesige Amischlitten (im Volksmund gab es ein entsprechendes bayerisches Lied: “A jeder Amilackl foart sein Chaddilackl, aber unseroaner der hat nix …”) und hatten Zaster ohne Ende. Da mußten wir auf unsere Mädels aufpassen! Ich war mit 16 in eine süße Blondine verknallt, die wollte sich aber unbedingt einen Ami angeln, was sie auch tat. Sie ist mit ihm dann über den großen Teich geschippert. Ja, wenn die Amis cleverer gewesen wären, hätten sie Deutsch gelernt und uns dann reihenweise die Mädels ausgespannt. Aber Gottseidank blieben sie bei ihrem Kaugummi-Slang, der selbst Engländern bisweilen kalte Schauer über den Rücken jagte. Halt! Ein paar Brocken Deutsch schnappte der eine oder andere auf, z.B. “Fräulein, ein Bier”, “Schweinenhund”, “max nix” amis3und ähnliche Ergüsse.

Was uns damals aber schon nicht gefiel, war die Rassentrennung und das oft brutale Vorgehen der Militärpolizei (MP). Wie das mit dem Vietnamkrieg dann später so richtig losging, waren die Amis natürlich bei uns unten durch! Der Schwarzmarkt blühte (auch noch nach der Währungsreform!), und auch wir Jungs haben fleißig mitgemischt. Da war z.B. die Sache mit den Fotoapparaten, diesen einfachen Agfa-Boxen. Da waren die Amis komischerweise ganz wild hinterher. Zum Glück für uns begannen die Deutschen sich mit moderneren Kameras auszurüsten. Da sind wir bei Verwandten und Bekannten rumgegangen und haben die Agfa-Boxen und ähnliche Fabrikate einkassiert. Von den Amis bekamen wir dafür Chewing Gum, Hershey’s Schokolade (in Nostalgieanwandlungen kaufe ich die heute noch kartonweise, wenn ich mal drüben in den Staaten bin!), Whiskey, Lucky Strike, Camel, Coca-Cola Pepsi-Cola, Einsatzverpflegung (heute würde ich mich weigern, den Fraß zu essen!), Schallplatten usw. Es war ein Statussymbol für uns Jungs, zumindest eine leere Flasche Whiskey (z.B. Black and White) und eine leere Zigarettenbox zu Hause auf dem Regal stehen zu haben.
Wenn wir Glück hatten, schmuggelten die GI’s uns in ihren NCO Club (Non-commissioned Officer’s Club), wo wir dann die damaligen amerikanischen Show-Größen und ihre Musik bewundern konnten.
Mehr darüber gibt es in meinem Buch “Allgäu Sixties” zu lesen…
(Buchbestellungen oben über den Kontakt-Button)

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