1961 – Von Pfadfindern, Feldbetten und Glenn Miller

amipanzer2 Text und Fotos von Peter Roese.
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Interessant und gleichzeitig lukrativ für uns Jungs war es, wenn die Amis Manöver hatten. Das sprach sich bei uns schnell herum und wir eilten an den Ort des Geschehens. Dort hatten die GIs bereits ihre Panzer und Jeeps in Reih und Glied am Waldrand aufgestellt. Abgesehen von dem martialischen Gerät bot sich dem Betrachter ein idyllisches Bild. Für die Offiziere hatte man Klappstühle und Kartentische mitgebracht und sie spielten zweckentfremdend Karten. Die Unteroffiziere lagen im Schatten im Gras, qualmten ihre Camels und Lucky Strikes, kauten Chewing Gum und tranken Coca Cola.

Die Mannschaftsdienstgrade schmissen lustlos Zeltplanen und Zeltgestänge von einem Lastwagen herab. Da traten wir Jungs in Aktion. Ein Staff Sergeant, der etwas Deutsch kauderwelschte, kam freudstrahlend auf uns zu. Nun begann die übliche Ansprache:
“Welcome, German boys. Wollt ihr die tents aufstellen? Gibt jede Menge donats, chewing gum und other goodies. Max nix.”
amipanzer1Enthusiastisch stimmten wir zu. Die niederen Chargen nickten uns dankbar zu und verkrümelten sich, bis auf drei Mann, die nach der MP (Military Police) Ausschau hielten, denn die sahen solcherlei Aktivitäten nicht gerne. Da gab es immer Stunk. Wir machten uns nach Stärkung mit einigen Coca Colas an die Arbeit, stellten Zeltgestänge auf und und streiften Planen darüber. Dabei dudelte aus dem Funkgerät eines Jeeps Musik von Glenn Miller und Benny Goodman. Da ging die Arbeit flott vonstatten. Während der Arbeit versäumten wir natürlich nicht, den einen oder anderen Gegenstand “mitgehen” zu lassen. Ganz zum Schluß bauten wir die olivgrünen Klappbetten auf. Da kam der Staff Sergeant mit amiflaggedreien seiner Männer, von denen jeder einen Karton mit der “Bezahlung” für uns trug. Ja, die Amis ließen sich nicht lumpen!
“Auf wieedrrrsehn’ boys, see you next time”, verabschiedete er uns, “max nix!”
Schwer mit den Schätzen des Orients, vielmehr der Amis, beladen, schoben wir unsre Drahtesel in Richtung Pfadfinderheim. Dabei sangen wir: “A jeder Amineger hat sei Hosenträger, aber unseroaner der hat nix …, A jeder Amimacker foahrt mit’m Jeep durch’n Acker, aber unseroaner der hat nix …, A jede Amihur’n hat ihr Armbanduhr’n, aber unseroaner der hat nix …” Letztere Strophe konnten wir natürlich nur hier im Wald grölen. Wenn das unsere Eltern gehört hätten …
Ja, die Welt war wieder mal in Ordnung, dank der spendablen Amerikaner!

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