1964 – Mein erster Flug

flug2Text von Peter Roese. Die Fotos hat Alfred Neubauer im Technikmuseum Speyer aufgenommen.
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1964 wurde mein Traum wahr … der erste Flug mit einem richtigen Flugzeug! Das Ziel war der Fliegerhorst Diepholz bei Bremen, dort sollten ein paar Kameraden und ich in die Geheimnisse des militärischen Nachschubs eingewiesen werden. An einem grauen Novembermorgen ging es los. Schwer bepackt marschierten wir in der Dämmerung auf das Flugfeld. Dort stand der große, gedrungenen Metallvogel mit dem Doppelleitwerk, die Noratlas, liebevoll Nora genannt.

Freundlich wurden wir, so gar nicht militärisch, von der Besatzung empfangen. Es waren alles ältere Semester, sie hätten unsere Väter sein können. Wir kletterten in die Maschine, die äußerst spartanisch eingerichtet war. Dort ließen wir uns auf den primitiven Segeltuchsitzen nieder, die längs der Wände angebracht waren. Der Bordingenieur gab uns flug1Anweisungen für den Notfall und drückte jedem von uns eine Spucktüte in die Hand. Es roch nach Motorenöl, Farbe und Kunststoffen. Ich blickte durch eines der runden Fenster hinüber zum Tower, auf dem mit großen Schriftzügen KAUFBEUREN AIR BASE, FIELD ELEVATION 2380 FEET und BASE OPERATION, stand. Die Türe zum Cockpit war offen und ich blickte fasziniert auf die vielen bunten, in allen Farben leuchtenden Lämpchen. Aus dem Funkgerät erklang ein Rauschen und Knacken. Das waren die modernen Sphärenklänge. Ab und zu unterbrach die Stimme des Fluglotsen vom Tower die Geräusche. Knatternd ließ der Pilot die Motoren an, die langsam warmliefen. Das war vielleicht ein infernalischer Lärm! Jetzt ein Ruck, die Maschine fing an sich zu bewegen und rollte auf die Startbahn zu. Einen Moment verharrte der große Vogel, dann erfolgte die Freigabe vom Tower. Nun heulten die Motoren auf, die Maschine beschleunigte, wurde schneller und schneller, rumpelte über die Betonplatten und hob schließlich ab. Wir waren in der Luft und das komische Gefühl im Magen ebbte langsam ab.
Da die Cockpittüre immer noch offen stand, hatte ich einen traumhaften Blick auf das Panorama der Alpen, das immer näher kam. Dann drehte die Maschine in einem großen Bogen nach Norden. Über den weiteren Verlauf des Fluges und und die seltsamen Abenteuer in Diepholz findet sich einiges in meinem Roman “Allgäu Sixties”.

Das Buch „Allgäu-Sixties“ kann man per mail direkt bestellen bei peter.roese@arcor.de
oder oben unter der Auswahl „Kontakt“. Auf Wunsch auch mit persönlicher Widmung!

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