Warum „Poor Boy“ von den Lords bis heute eines meiner Lieblingslieder ist

hullmann4nwzwinwoodWolfgang Hullmann aus Oldenburg, Gitarrist und Sänger der Band „The Startracks“, sandte uns den folgenden Beitrag mit Foto und Video. Wir bedanken uns!
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Warum der Song „Poor Boy“ von den Lords bis heute eines meiner Lieblingslieder ist? Und warum wir, „The Startracks“, gerade diesen Song heute noch immer gerne bei unseren Auftritten spielen? Das möchte ich hier gerne erklären und euch dazu auf der nächsten Seite unser Video zeigen.
Denn nach wie vor glaube ich, dass deutsche Beatbands einen hohen Stellenwert genießen.
Das liegt an Stücken wie „Stoppin‘ In Las Vegas“ von den Rattles, „Halbstark“ von den Yankees, „Shakin‘ All Over“ von den Lords.

Alles Stücke, bei denen wir sagen: „Euphorie pur“. Spaß, Lebenslust – manchmal auch Leichtsinn und Übermut. Nimm ein Stück Holz, auf das mindestens 4 Seiten gespannt sind und das gestimmt ist, und Du kannst Dich beim Nachsingen selbst begleiten.
Augenblicklich stellt sich ein wohliges Gefühl ein.

„Poor Boy“ ist ein Geniestreich von „Leo Lietz“, der wie viele andere Lords-Titel aus dieser Ära in einem tollen Studio (ich meine bei „Electrola Köln“ – vgl. auch „Motorbiene“ von Benny Quick) großartig veredelt wurde.
Musik und Sound verbinden sich auf ideale Weise.
Das klang schon toll aus dem Röhren- oder Transistorradio und hält auch auf der modernen Hifi-Anlage jedem Vergleich zu heutigen Produktionen stand.
Wie viele andere mochte ich gerade diesen fast schon 3D-Sound – clean mit der richtigen Dosis von Hall und Echo.

Aber mit solchen Gedanken habe ich damals nicht beschäftigt, als ich zum ersten Mal „Hey Baby laß den Andern“ (vgl. auch „Geh zu ihm“ von den Rattles) im Radio hörte.
Glücklicherweise schwammen die Lords auf einer Erfolgswelle, und es kamen in schneller Reihenfolge Titel wie „Shakin‘ All Over“ (finde ich besser als das Johnny Kidd & The Pirates-Original), Poor Boy, Greensleeves und Sing Hallelujah heraus.

Diese Titel haben uns zu Lords-Fans gemacht, schon bevor ihr erster Beat-Club-Auftritt ausgestrahlt wurde.
„Poor Boy“ hörte ich von einer Jugendband gespielt, und das hat sich bei mir eingeprägt, noch bevor ich das Stück das erste Mal im Radio gehört habe.
Wenn wir Sonntags die NDR2-Hitparade mit Ilse Seemann hörten, dann saßen wir mit der Gitarre im Arm auf Sessel oder Sofa und warteten auf genau solche Titel, die wir dann zeitgleich mitzuspielen versuchten.
Wenn wir angehenden „Musikanten“ uns dann zum Austausch trafen, war oft schon vergessen, in welcher Basis-Harmonie das jeweilige Stück im Original gespielt war, und dann „verrutschten“ unsere Interpretationen in’s Unerträgliche.
Also nächsten Sonntag wieder reinhören – aber, oh wehe – vielleicht war das Stück durch Wähler-„Un-„Willen schon nicht mehr dabei, und wir mußten auf neue Titel hoffen.

Shakin‘ All Over, Seven Daffodils, Greensleeves – das waren Stücke, die mich hoch motivierten, Gitarre zu lernen.
Bis heute bewundere ich die Ideen und Präzision, die Peter Lietz auf den Studio-Aufnahmen realisiert.
Nicht zu vergessen Lord Ulli’s kerniger Leadgesang und was Knut, Max und Rainer musikalisch beisteuerten.

Bei der Gründungsprobe unserer Oldieband vor 21 Jahren fragte mich Norbert, der Initiator und damalige Drummer, ob ich denn auch „Poor Boy“ spielen könne.
Da habe ich mich riesig gefreut und gerne umgesetzt und den Lead-Gesang übernommen.
Es kam wohl vernünftig rüber und ich habe mir gedacht, wenn ich das mit den Jungs spielen kann, dann sind wir auf derselben Wellenlänge.
Norbert erwies sich als großer Lordsfan, hat gerne Lordskonzert besucht und war dann auch bei dem tragischen Event zugegen, als Lord Ulli seinen tödlichen Unfall hatte.
Mir brachte Norbert das Tourplakat mit.
Bevor Norbert aus unserer Band ausschied, vermachte er mir aus seiner Schallplattensammlung die von mir lange gesuchte Single „Hey Baby laß den Andern“.
Über Umwege fand Eugen zu unserer Band – der bediente seinerzeit das Schlagzeug jener Jugendband „Decoys“, die in der OT unter anderem „Poor Boy“ spielte – was zu mir durchs Schlafzimmerfenster hereindrang.
Eine tolle Fügung.

Beim öffentlichen Auftritt stellen wir uns gegenseitig vor. Wenn ich genannt bin, intoniere ich die Anfangstöne von „Poor Boy““, und schon sieht man Freude auf den Gesichtern der Zuhörer.
Kaum ein anderes Stück ruft in so einem kurzem Augenblick ähnlich positive Gefühle hervor.

Das Cover meiner „Shakin‘ All Over“-Single haben mir Ulli, Peter und Bernd bei ihrem Auftritt Ende der 80er im Oldenburger „Valentino“ während einer Pause signiert.
Bezogen auf die Mitwirkung der Studioaufnahme meinte Bernd Zamulo bescheiden: „Aber ich war da noch gar nicht dabei“.
Das wußte ich, gefreut habe ich mich trotzdem riesig.

Text, Foto und Video von Wolfgang Hullmann.
Eine weitere Erinnerung von Wolfgang gibt es hier bei uns zu lesen (bitte auf den Link klicken):
1965 – Meine erste Schlaggitarre und wie es weiterging

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