1960 – Der „Leukoplastbomber“

leukoplastDer ehemalige Bundeswehrsoldat Alois Heiler aus Landsberg am Lech, schickte uns freundlicherweise einige Infos über seinen Borgward Lloyd, der als “Leukoplastbomber” in den 50er und 60er Jahren Automobilgeschichte schrieb.
Wir nannten diese Kleinwagen damals übrigens “Rennsemmeln”. Sagenhafte 10 (später 13) PS leistete der luftgekühlte Zweizylinder-Zweitaktmotor. Die Höchstgeschwindigkeit betrug bei idealen Bedingungen 70 bzw. 75 Kilometer in der Stunde!

Die kleine Motorhaube nannte man sinnigerweise “Klodeckel”.
Lassen wir Alois Heiler über weitere, uns heute eigentümlich erscheinende, Konstruktionsdetails berichten:
“Bei meinem Lloyd waren die Seitenteile der Karosserie schon aus Blech … Motorhaube, Dach, Kofferraumabdeckung, Fensterrahmen und Türholme, waren aus entsprechend geformtem, ca. 4 mm starkem Sperrholz, darauf eine etwa 5-6 mm starke Filzmatte und darüber ein wasserdichter Kunststoffbezug. Alles miteinander verklebt und außen lackiert.” (Alois Heiler, Brief vom 28.01.2015)
Das war eine wenig vertrauenerweckende Konstruktion, deswegen auch der treffende Spruch: “Wer den Tod nicht scheut, der fährt Lloyd”.
*
Hier noch eine nette Story von Alois Heiler über den “Leukoplastbomber” mit dem Titel “der Raser”

Mit drei Erwachsenen im Auto fuhren wir auf der Autobahn nach Mannheim. Den Drackensteiner Hang (kurz vor Stuttgart) hinunter waren max. 80 Km/h erlaubt.
Am Beginn des Gefälles gab ich im 3. Gang nochmal kurz Vollgas, nahm dann den Gang raus und ließ das Auto im Leerlauf hinunter rollen. Mein Auto wurde langsam schneller und ich schloß zu einer Kolonne von ca. 10 Autos auf, die brav die 80 Km/h fuhren.
Einerseits wollte ich das Tempolimit einhalten, andererseits wollte ich “die Geschwindigkeit meines Autos noch etwas genießen”. Einmal im Leben etwas schneller sein als laut Werkangabe möglich.
So beschloß ich die Kolonne noch zu überholen und dann das Tempolimit einzuhalten. Ais ich auf der Höhe des dritten Autos von vorne war, wußte ich die brave Fahrweise der Kolonne zu deuten. Es war die Autobahnpolizei im Porsche.
Sie kamen auch prompt nach und stoppten mich.
Ein junger Polizeibeamter kam zu mir und meinte im schönsten Schwäbisch: “Die dickschde Mercedes fahre 80, er mit seiner Wanze muß überhole!”
Über diesen Spruch kann ich mich heute noch amüsieren.
Meine Frechheit, mit meinem Leukoplastbomber die Polizei im Porsche zu überholen, mußte ich mit 2,—DM büßen (heute vergleichbar vielleicht mit 10-15,—EURO).
*
Text und Foto von Alois Heiler.
Wir bedanken uns!

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