1969 – Bayern – Biskaya, vom Rücksitz aus gesehen

eibl1aVon Johann Eibl aus Passau erhielten wir den folgenden Artikel nebst Fotos. Wir bedanken uns!
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Dass meine Begeisterung fürs Reisen genetisch bedingt ist, glaube ich noch nicht mal. Sicher ist dennoch, dass sie von meinem Vater stammt – wenn auch als „erworbene Eigenschaft“.
Lange war nämlich der Badeurlaub am Meer – stets verbunden mit einem Kurzaufenthalt in den Alpen auf der Rückreise – für mich das Highlight des Jahres. Zum ersten Mal durfte ich kurz vor meiner Einschulung 1969 mit. Und diese Premiere hatte es in sich: so weit und so lange waren wir per Auto nie wieder unterwegs – hin und zurück ca. 4.000 km bei einer Reisedauer von fast 5 Wochen.

Von Regensburg aus ging es mitten in der Nacht los, daran erinnere ich mich noch. Ebenso an die Reisetabletten, die meine Mutter für mich besorgt hatte. Längst war nämlich klar, dass ich als Autonarr zwar jeden Kilometer genoss, mein Magen jedoch oft anderer Meinung war und seinen Inhalt gerne mal … – aber lassen wir das!
eibl1Als wir südlich des Bodensees in die Schweiz gelangten, war es schon taghell. Über Zürich, Bern und Genf gings gen Frankreich, wo wir abends Clermont-Ferrand erreichten. An den strömenden Regen erinnere ich mich ebenso wie daran, dass unser Nachtquartier ein eher schmuddeliges Hotel war.
Am nächsten Tag stand mit ca. 600 km nur noch die kleinere der zwei Etappen an. Bei mir haften blieb davon nur der Moment als wir – kurz vor der spanischen Grenze – erstmals das Meer sehen konnten. Da wir erst 1970 einen Fernseher bekamen bedeutete „erstmals“ für mich: zum ersten Mal im Leben!
eibl2Als wir wenig später in Zarauz (Costa Vasca, Golf von Biskaya) ankamen konnte ich es mit meinen sechs Jahren immer noch nicht fassen, dass es Gewässer gibt, bei denen man das andere Ufer nicht sieht. Dieser Eindruck gehört zu denen, die man nie mehr vergisst.
In den folgenden Wochen machte ich mich mit dem neuen, faszinierenden Milieu vertraut; im Gegensatz zu den gewohnten heimischen Badeplätzen wurde dieses Wasser von Natur aus heftig bewegt, war aber leider auch stark versalzen. Mein Magen ließ mich wissen, dass er auf größere Mengen davon keinen Wert legt …
Damals konnte ich noch nicht mal schwimmen, die tosende Brandung machte mich aber schon im „Fußgängerbereich“ zu einem ausdauernden Taucher – man lernt ja schnell in diesem Alter.
eibl3Jedenfalls bescherte mir der „Summer of Sixty-Nine“ eine Liebe fürs Leben. Noch heute gehört die Ankunft an einem Urlaubsziel am Meer zu meinen erhebendsten Momenten. Meine Frau (Nichtschwimmerin) weiß, dass beim Auspacken, Umziehen und zum- Strand-Gehen Eile geboten ist.
Kaum ist ein Liegeplatz gefunden, bahnt sich wieder die Begeisterung des sechsjährigen Jungen Ihren Weg – mit den stets gleichen Worten: „ … bin dann mal weg!“.

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