1960 – Der “Häuslebauer-Boom”, Teil 1

häusle1Text von Peter Roese und Fotos von Albert Roese.
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Die Wohnungssituation sah nach Beendigung des 2. Weltkriegs, gelinde gesagt, trostlos aus. Viele Städte waren nach den verheerenden Luftangriffen der Alliierten nur noch riesige Trümmerhaufen. Millionen Häuser und Wohnungen waren zerstört oder beschädigt. Zu den einheimischen Obdachlosen kamen noch Millionen von Flüchtlingen aus dem Osten, die eine Bleibe suchten.

Anfang der 60er Jahre, als die größten Kriegsschäden beseitigt waren, überkam viele Bundesbürger die Bauwut. Sie wollten sich “a Häusle baue”, wie die Schwaben so schön sagen. So sah man landauf, landab, schmucke Häuschen.
häusle2Dabei entstanden auch die sogenannten “Nebenerwerbssiedlungen”. Ursprünglich war geplant, die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vertriebenen Landwirte und andere in der Landwirtschaft tätigen Personen, mit diesen Siedlungen eine neue Heimat zu geben.
Es gab verschiedene Varianten von Siedlungen, nehmen wir z.B. die in Nordbayern. Da bietet sich als Beispiel die auf dem “Hungerhügel” (wegen des schlechten Bodens so genannt!) in dem idyllisch gelegenen Neuhaus an der Pegnitz, am Rande der Fränkischen Schweiz, an. In dieser Siedlung ließen sich auch meine Eltern nieder. Einige nette Episoden meines Romans “Allgäu Sixties” spielen auch dort.
häusle3Die Größe der Grundstücke sollte mindestens 800 Quadratmeter betragen, viele waren jedoch größer. Neben dem Wohnhaus stand ein Nebengebäude für die Kleintierhaltung, wie z.B. Hühner, Hasen, Gänse usw. Die freien Flächen sollten möglichst als Nutzgarten bearbeitet werden. Einige Bauherren mit Weitblick sahen einen Raum des Nebengebäudes als Garage vor. Die Nachbarn schüttelten die Köpfe, denn wer hatte Anfang der 60er Jahre schon ein Auto? Mit der Zeit verschwanden die Kleintiere sang-und klanglos. Den Platz der Ställe nahmen dann z.B. eine Werkstatt, ein Abstellraum oder gar ein weiteres Zimmer ein.
Die Situation mit den fehlenden Haustieren wurde dann kritisch, wenn offizielle Kontrolleure anstanden, um festzustellen, ob tatsächlich Nebenerwerb betrieben wurde, denn schließlich hatte es staatliche Hilfen und günstige Kredite gegeben. Da gab es große Aufregung, aber diejenigen, die noch Hasen oder Federvieh hatten, liehen das eine oder andere Stück Nachbarn in Not.
– Fortsetzung folgt –

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